Die große Geigenkamm Überschreitung

  • Region: AUT - Ötztaler Alpen
  • Dauer: 2 Tage
  • Höhenmeter: 2000 Hm

Dieses Tourenwochenende führt uns in die Gebirgswelt der Ötztaler Alpen und zugleich zu anspruchsvollsten Zielen. Denn der Ausdruck »Höhenweg« darf nicht dazu verleiten, die lange Überschreitung über den Wassertalkogel zur Braunschweiger Hütte als leichte Hochgebirgspromenade einzuschätzen.

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Tag 1

Bereits vom Parkplatz vor Plangeroß (1600 m) ist die Rüsselsheimer Hütte, die direkt an einer Karschwelle liegt, gut sichtbar. Man quert die Straße und passiert am Hinweisschild »Zur Rüsselsheimer Hütte« das kleine Gatter.
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Tag 2

Hinter der Rüsselsheimer Hütte (2323 m) folgt man zunächst dem Wegweiser »Mainzer Höhenweg und Hohe Geige«.
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Eckdaten zur großen Geigenkamm Überschreitung
Hütten Rüsselsheimer Hütte (2323 m), DAV, geöffnet Mitte Juni bis Ende Sept., Tel. +43/(0)664/280 81 07, www.dav-ruesselsheim.de/ruesselsheimer- huette; Braunschweiger Hütte (2795 m), DAV, geöffnet Mitte Juni bis Ende Sept., Tel. +43/(0)664/535 37 22
Start/ Ausgangspunkt Parkplatz kurz vor Plangeroß (1600 m)
Endpunkt Mittelberg (1740 m)
Gehzeiten Tag 1: 2 Std., Tag 2: 11 Std.
Anforderungen Lange Hochgebirgs- und Kammwanderung mit großartigen Ausblicken auf die Ötztaler Berg- und Gletscherwelt, für die eine sehr gute Kondition, solide alpine Erfahrung und – vor allem auf der ersten Hälfte – gutes Orientierungsvermögen erforderlich sind. Ein Teilstück ist schlecht markiert.
Karte Alpenvereinskarte 1:25 000, Nr. 30/5 Ötztaler Alpen – Geigenkamm
Buchtipp Bergwochenende in den Ostalpen Michael Pröttel – Das perfekte Bergwochenende in den Ostalpen
Traumhafte Wochenendtouren: stille Rundwanderungen, aussichtsreiche Durchquerungen, anspruchsvolle Überschreitungen; –für jeden Anspruch etwas!

Aussicht auf den Kaunergrat

Geigenkamm Überschreitung

Am Wassertalkogel des Mainzer Höhenwegs bietet das Rheinland-Pfalz-Biwak Schutz vor Gewitter.

Wer diese einzigartige Bergtour – bei dem man auf der zweiten Hälfte immer vis-à-vis zum vergletscherten Gebirgsstock der Wildspitze wandert – genießen will, sollte über eine gute Kondition verfügen. Für all diejenigen, denen die acht bis zehn Stunden reine Gehzeit von Hütte zu Hütte zu lange erscheinen, bietet sich eine extrem aussichtsreiche Unterbrechung an: Eine Nacht auf dem 3247 Meter hoch gelegenen Rheinland-Pfalz-Biwak ist ein unvergessliches Bergerlebnis.

Tag 1: Hüttenzustieg zur Rüsselsheimer Hütte

Bereits vom Parkplatz vor Plangeroß (1600 m) ist die Rüsselsheimer Hütte, die direkt an einer Karschwelle liegt, gut sichtbar. Man quert die Straße und passiert am Hinweisschild »Zur Rüsselsheimer Hütte« das kleine Gatter (bitte wieder schließen!). Anfangs geht es über einen begrünten Rücken leicht ansteigend, dann in kurzen Kehren steiler bergan, bis der Bergwald erreicht wird. Man tritt bald aus ihm wieder heraus und wandert in Kehren einer Felswand entgegen, an deren Fuß der Pfad weiterführt. Ein kurzer, mit einer Kette gesicherter Wegabschnitt führt zu einer Bachquerung. Weiter aufsteigend, gewinnt man auf der Südseite des Hangs schnell an Höhe. Im letzten Wegabschnitt zweigen einige (steilere) Pfade ab, die man aber nicht nehmen darf, um die Vegetation nicht zu beeinträchtigen! Ein letztes längeres, leicht ansteigendes Wegstück führt schließlich direkt auf die Rüsselsheimer Hütte (2323 m) zu, von wo aus man eine großartige Aussicht auf den Kaunergrat mit der direkt gegenüberliegenden Watzespitze hat.

Mit Konzentration bis zum Ziel Braunschweiger Hütte

Geigenkamm Überschreitung

Wanderkarte zur Geigenkamm Überschreitung

Tag 2: Über den Mainzer Höhenweg

Hinter der Rüsselsheimer Hütte (2323 m) folgt man zunächst dem Wegweiser »Mainzer Höhenweg und Hohe Geige«. Bald zweigt nach rechts der beschilderte Anstieg zum Mainzer Höhenweg ab. Über einen steilen Moränenhang geht es nun anstrengender in Serpentinen bergan. Man erreicht den Moränenrücken und wandert ein Stück lang weiter. Ab jetzt immer gut auf Markierungen und Steinmänner achten! Rechts des vor uns aufragenden Bergkamms geht es wieder steiler ins Weißmaurachkar hinein. Bald folgt der anstrengendste Teil des gesamten Wegs, der über einen langen, steilen Geröllhang schweißtreibend zum Weißmaurachjoch (2959 m) hinaufführt, wo der eigentliche Höhenweg beginnt.

Über Firnfelder und Geröllkare

Hier folgt man dem nun wieder bessere, Steig nach Süden. Erst ansteigend, dann in einer Querung geht es zu einer Scharte, hinter der es mit Hilfe von Drahtseilen und einer Leiter zu einem ersten Firnfeld im obersten Teil des Grubikarle hinabgeht. Dieses wird unschwer nach Süden gequert, dann geht es auf der anderen Seite wieder mit Hilfe von einem Drahtseil über Felsen bergauf. In wieder flacherem Gelände steigt man über ein weiteres Firnfeld zur nächsten Einsattelung, von wo aus man den Wassertalkogel schon in der Ferne aufragen sieht. Abermals geht es an einem Drahtseil bergab, aber diesmal nicht im festen Fels, sondern entlang einer steilen Geröllrinne.

Diese sollte man wegen der Steinschlaggefahr schnell hinter sich lassen. Der anschließende Südliche-Puitkogel-Ferner wird leicht absteigend nach Südwesten gequert. Immer den Markierungen folgend, geht es zunächst flach, dann ansteigend zu einem breiten Bergrücken hinauf. Dahinter wandert man ein Stück lang auf einem Weg zum obersten Kessel des Silberkars weiter, das wiederum östlich des rechts von uns aufragenden Sonnenkogels liegt. Über Drahtseile erreicht man das weite Geröllkar und muss sich hier eher rechts halten.

Querung und Aufstieg mit Blick auf die Wildspitze
Geigenkamm Überschreitung

Am Weißmaurachjoch hat man den steilsten Teil des Mainzer Höhenwegs bereits hinter sich.

Man quert das Kar und umgeht den untersten Gratausläufer des Sonnenkogels. (Von hier führt ein zunächst wegloser Notabstieg nach Osten über das Pollestal hinab nach Huben im Ötztal.) An dieser Stelle muss man aufpassen: Man darf sich nicht von einer (rechts oberhalb befindlichen) roten Aufschrift »Mainzer Weg« dazu verleiten lassen, rechts in die Felsen aufzusteigen! Stattdessen wandert man weiter auf der rechten Seite des nun folgenden Seitenkars nach Süden (hier kurzzeitig keine Markierungen).

Zunächst flach, dann etwas steiler geht es (am Schluss über ein eindrucksvolles Firnfeld) zu einer deutlichen Scharte hinauf, von wo man zum ersten Mal einen tollen Blick auf die Wildspitze hat. Man folgt nun dem Kamm nach links (wieder rote Markierungen), kommt an einer weiteren Scharte vorbei (hier nach rechts weiterer Notabstieg – diesmal übers Wurmitzkar ins Pitztal) und steigt weiter entlang des Bergrückens zum Wassertalkogel (3247 m) hinauf, wo die Rheinland-Pfalz-Biwakschachtel steht. Von nun an folgt der Weg immer dem Kammverlauf nach Süden. Nachdem man den Grschappkogel (3191 m) mit einem leichten Gegenanstieg überschritten hat, verläuft der Steig ein Stück lang an der Westseite des Kamms (immer wieder Drahtseile und eine Leiter). Im weiteren Verlauf werden Wurmsitzkogel (3079 m) und Wildes Männle (3063 m) überschritten.

Zur Braunschweiger Hütte

Nun wird der Kamm breiter, und der Weg führt über große Felsblöcke und einen Aufschwung im Kammverlauf weiter. Hinter diesem geht es ein Stück nach links hinab, dann wieder nach rechts und weiter dem Kamm folgend zum Nördlichen Polljesjoch und bald danach zu einer Gabelung. Hier folgt man nach rechts dem Schild »Franz-Auer-Steig/ Braunschweiger Hütte«. Zunächst steiler absteigend, dann in einer Querung und mit einem Gegenanstieg erreicht man den Bergkessel nördlich des Pitztaler Jöchls. Hier hält man sich rechts und sieht bald eine Stahlkette. Dieser folgt man ein letztes Mal steil hinauf zu einem breiten Bergsattel. Von dort geht es auf vergleichsweise gutem Weg nach Süden zur Braunschweiger Hütte (2795 m) hinab.

Von hier aus führt der anfangs felsige, aber gut markierte Hüttenabstieg hinunter nach Mittelberg. Bei einer Gabelung hält man sich rechts in Richtung Jägersteig, um nicht auf der (2006 in den Fels gesprengten) Fahrstraße zu landen. Hat man den Talboden bei der Gletscherstube erreicht, geht es auf flachem Fahrweg zur Bushaltestelle südlich von Mittelberg (1740 m), von wo aus stündlich Busse nach Plangeroß fahren.