Hüttentour durchs Wettersteingebirge

  • Region: AUT - Wettersteingebirge, Mieminger Kette
  • Dauer: 6 Tage
  • Höhenmeter: 4800 Hm

Das Wetterstein ist ein Gebirge mächtiger Fels- und Schrofenmauern, langer Gratzüge mit vielen schwer zugänglichen Gipfeln sowie tief ein- gekerbter Hochtäler als Trennfurchen dazwischen. Sie schaffen insgesamt eine der wildesten Szenerien, die es im nördlichen Alpenraum zu bestaunen gibt. Aufgrund des schroffen Reliefs sind die Verbindungsmöglichkeiten zwischen den einzelnen Stützpunkten nicht immer optimal; regelrechte Flankensteige, wie sie in vielen anderen Gruppen als typisches Höhenwegmuster vorkommen, bilden eher die Ausnahme. Eigentlich fällt nur der Südsteig in diese Kategorie. Nichtsdestotrotz lassen sich Durchquerungen konzipieren, die je nach Können der Begeher variierbar sind.

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Tag 1-3

Für die Auftaktetappe stehen gleich mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Falls wir mit der Seilbahn zum Kreuzeck (1650 m) hinauffahren, beginnt die Tour auf breiter Promenade.
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Tag 4-6

Unser Weiterweg führt nämlich nicht ins Reintal hinab, sondern von der Knorrhütte über den Plattsteig in leichtem Auf und Ab südwärts zum Gatterl, wo erneut Tiroler Boden betreten wird.
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Hüttenwanderung in den Ammergauer Alpen
Hütten Höllentalangerhütte (1381 m), Wiener-Neustädter-Hütte (2213 m), Knorrhütte (2051 m), Wangalm (1751 m), Wettersteinalm (1717 m), Meilerhütte (2366 m), Schachenhaus (1866 m)
Talort / Ausgangspunkt Talstation der Kreuzeck- und Alpspitzbahn (750 m) südwestlich von Garmisch-Partenkirchen; Bahn- und Bushaltestelle
Endpunkt siehe Aussgangspunkt
Gehzeiten Kreuzeck – Höllentalangerhütte 2 Std. – Wiener-Neustädter-Hütte 6 Std. – Knorrhütte 4 Std. – Wettersteinhütte 5 1/2 Std. – Meilerhütte 5 Std. – Kreuzeck 5 1/2 Std.
Anforderungen Wechsel zwischen leichteren Wanderwegen und steileren Schrofenrouten, ein paar Mal auch mit Klettersteigcharakter. Grundlegende Bergerfahrung mit absoluter Trittsicherheit notwendig; besonders auf dem Zugspitzplatt und dem Leutascher Platt Orientierungsgabe bei schlechter Sicht. Bei Tagesetappen bis zu 6 Std. Ausdauer erforderlich; einige Anstiege, speziell jener zum Söllerpass, sind ziemlich mühsam.
Karte Alpenvereinskarte, 1: 25 000, Blätter 4/2 und 4/3 »Wetterstein- und Mieminger Gebirge Mitte bzw. Ost«
Buchtipp Huettentreks AlpenMark Zahel: Hüttentreks
Die 55 schönsten Mehrtages-Wanderungen von Hütte zu Hütte in den Ostalpen. Dieser Wanderführer Hüttentouren ist ein Standardwerk für alle Hüttentrekker.

Tag: 1-3: Im Banne von Zugspitze und Co.

Huettentour Wettersteingebirge

Die Gehrenspitze über dem Puittal

Kreuzeck – Höllentalangerhütte

Für die Auftaktetappe stehen gleich mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Falls wir mit der Seilbahn zum Kreuzeck (1650 m) hinauffahren, beginnt die Tour auf breiter Promenade leicht abwärts zu einem Geländesattel, in dessen Bereich sich diverse Wege verzweigen. Wir halten uns zweimal halbrechts und wandern um einen Hang herum allmählich ins Hupfleitenjoch (1754 m) hinauf. Der kurze Abstecher auf die vorspringende Latschenkuppe des Schwarzen Kopfes (1818 m) kostet nur wenige Minuten. Auf der Seite des Höllentals führt ein gut ausgebauter Steig in Serpentinen tiefer, an den Knappenhäusern vorbei und über eine Bachrunse in den Talgrund zur Höllentalangerhütte (1381 m).

Variante:
Eine mögliche Alternative ist der Weg über das Höllentor (Rinderwegscharte, 2090m), in das man nach kurzem Aufstieg von der Bergstation Osterfelder der Alpspitzbahn gelangt. Jenseits geht es nur noch bergab bis zur Höllentalangerhütte. Schließlich lässt sich die Hütte natürlich auch aus dem Tal, und zwar von Hammersbach (758 m) aus, durch die eindrucksvolle Höllentalklamm erreichen. Alle Routen können mit rund 2 Std. veranschlagt werden. Dagegen ist die Tour über die Alpspitze (2628 m) mit Abstieg durchs Matheisenkar bei weitem länger und anspruchsvoller!

Höllentalangerhütte–Wiener-Neustädter-Hütte

Das Höllental zwischen Waxensteinkamm und Alpspitzmassiv, zudem mit der Zugspitze als Blickfang im Hintergrund, sucht, was die landschaftliche Schönheit angeht, wirklich seinesgleichen. Hier ist man allseits von steil aufragenden Felsmassen umgeben und wähnt sich in einer abgeschiedenen Welt. Wir wandern am Morgen über den flachen Höllentalanger in den Talschluss hinein, wo sich vor uns eine Felsbarriere aufbaut. Alle Zugspitzanwärter müssen diese auf einer gesicherten Steiganlage via »Leiter« und »Brett« überwinden, um ins oberhalb gelegene Höllentalkar zu gelangen, während wir rechts abzweigend ins Riffelkar aufsteigen (einige Drahtseile). In dem gewundenen Hochkar ohne Schwierigkeiten empor bis auf die Riffelscharte (2163 m) mit großartiger Kanzel hoch über dem waldumsäumten Eibsee.

Südwärts eindrehend leiten wir den Abstieg ein, der sich nun über eine längere, per Seillauf gesicherte Abwärtstraverse entlang abschüssigen Felsbändern vollzieht. Unterhalb gelangt man auf die Schuttreißen, denen man über teils rutschige Spuren am Felssockel folgt. Später zwischen Latschen hindurch zur Station Riffelriß (1639 m) der Bayerischen Zugspitzbahn. Der Abstieg setzt sich links haltend noch weiter bis zur Landesgrenze fort, erst danach wird wieder aufgestiegen. Bei allen Verzweigungen links, treten wir allmählich wieder aus der Wald- und Latschenzone in freies Schuttterrain hinaus und steigen über den steilen Schrofenriegel der Ehrwalder Köpfe hoch. Zuletzt gemeinsam mit dem Aufstieg von Ehrwald (Georg-Jäger-Steig) mittels einer nordseitigen Querung zur Wiener-Neustädter-Hütte (2213m) im Österreichischen Schneekar.

Wiener-Neustädter-Hütte – Knorrhütte

Heute erreichen wir am Südwestgrat der Zugspitze die größte Höhe, und wohl niemand wird es versäumen, bei dieser Gelegenheit das Dach Deutschlands vollends zu erklimmen. Dass man dabei in einer »verkehrten Welt« landet, sollte indessen nicht überraschen. Zunächst steigen wir im Geröll des Österreichischen Schneekars bergauf, allmählich links haltend an den Fuß der steileren Felszonen. Auf dem folgenden Klettersteig sind einige für reine Wanderer ungewohnt kna- ckige Hürden zu meistern – besonders originell die kaminartige Verschneidung mit anschließendem Felsloch, gemeinhin als »Stopselzieher« bezeichnet. Rund 500 Aufstiegsmeter müssen wir in dieser abschüssigen Felsflanke bewältigen, die auch wegen der losen Geröllauflage ständige Aufmerksamkeit erheischt.

Gegen Ende legt sich das Gelände ein wenig zurück, doch wirklich lösen wird sich die Spannung erst am Ausstieg auf den Südwestgrat der Zugspitze, wo wir plötzlich über dem weiten Zugspitzplatt stehen. Der Gipfelkomplex ist jetzt noch eine halbe Stunde entfernt, eine leichte Gratkraxelei mit Drahtseilhilfe bis hinauf zur großen Terrasse inklusive Seilbahnstationen, Wetterwarte, Münchner Haus, Pommes- und Souvenirbuden – ein wahrer Schmelztiegel des Massentourismus. Wer zum »richtigen« Gipfel möchte, sprich zum goldenen Kreuz, muss sich zuerst einen Weg durchs Gewusel bahnen und anschließend noch eine Mini-Ferrata bewältigen. Über das Platt verabschieden wir uns schließlich von dem Rummel; ein steiler Bröselhang leitet vom Südwestgrat dort hinunter. Auch das wenig ansehnliche Skigebiet bleibt allmählich zurück, während die Route über die öden Geröllbuckel (bei Nebel genau auf die Markierung achten!) Richtung Osten bis zur Knorrhütte (2051m) absinkt. Die tiefe Reintalfurche zwischen Blassen- und Wettersteinkamm, Letzterer mit der imposanten Hochwanner-Nordwand, bleibt unterhalb.

Tag 4-6: Die wunderbare Aussichtskanzel hoch über dem Gaistal

Knorrhütte – Wettersteinhütte

Huettentour Wettersteingebirge

Beim Anstieg zum Söllerpass schweift der Blick übers Karwendel.

Unser Weiterweg führt nämlich nicht ins Reintal hinab, sondern von der Knorrhütte über den Plattsteig in leichtem Auf und Ab südwärts zum Gatterl, wo erneut Tiroler Boden betreten wird. Ein Stück weiter, am Feldernjöchl (2045 m), wenden wir uns links, um über einen Geländerücken und einen kleinen Sattel ins Wannigjöchl (2186 m) aufzusteigen. Jenseits durch eine Hangmulde zum urigen Steinernen Hüttl (1925 m) hinab, links davon den nahen Bachgraben überschreiten und im Gegenanstieg über die begrünte Rippe des Mitterjöchls hinweg ins Kotbachkar. Dieses wird im Bogen ausgegangen bis in den Sattel nördlich des Predigtstuhls (2232 m), der als wunderbare Aussichtskanzel hoch über dem Gaistal und vis-à-vis der Mieminger Kette einen Besuch wert ist. Danach führt der Weg abwärts zur Rotmoosalm (1904 m), um zum Überstieg am Schönberg (Niderle) wieder die ursprüngliche Basishöhe des Südsteiges zu gewinnen. Trittsichere können auch den spärlichen Spuren quer durch die oberhalb gelegene Grube folgen und damit den Höhenverlust zum größten Teil vermeiden.

In Grundrichtung Ost folgen wir dem Südsteig weiter, stets auf der Hangterrasse am Fuße des Wetterstein-Hauptkammes, der schroff und zerklüftet über unseren Köpfen aufragt, bis hinter dem Sattel am Plattach (Telfer Leger) der Abstieg ins Scharnitztal erfolgt. Am unteren Rand dieser Karmulde befinden sich Wangalm (1751 m) und Wettersteinhütte (1717 m), die beide Übernachtungsgelegenheit bieten.

Wettersteinhütte – Meilerhütte

Eine aufregende Etappe, geprägt durch den landschaftlichen Wandel aus einem lieblichen, begrünten Hochtal in den kargen Ernst des Leutascher Platts. Das Etappenziel steht an einem herausragenden Ort im Wetterstein! Zunächst geht es durchs Scharnitztal wieder bergauf, an der Wegverzweigung rechts Richtung Scharnitzjoch (2048 m), dem prächtigen Sattel am Fuße berühmter Kletterwände. Oberreintalschrofen, Scharnitzspitze, Schüsselkarspitze und Leutascher Dreitorspitze ziehen auch uns Wanderer optisch ungeheuer in Bann. In gleicher Weise können wir uns jedoch an der sanften Idylle des Puittals erfreuen, in das wir nun ein gutes Stück absteigen. Auf den Weideböden im unteren Teil heißt es achtgeben, um die Abzweigung zum Söllerpass nicht zu verpassen.

Dies ist das schweißtreibendste Stück des Tages, vermutlich sogar der gesamten Tour. Anfangs durch Latschen sowie in einer Rinne aufwärts, ehe man nach links ausschert und die steilen Schrofenflanken bis zum Überstieg am Söllerpass (2259 m) überwinden muss. Hier und da wird die Unterstützung der Hände gebraucht, doch windet sich der kleine Pfad geschickt durch diese exponierte Flanke empor, sodass keine größeren Hindernisse auftauchen. Zuletzt in einem Quergang nach rechts und über die Geländekante auf das Leutascher Platt, wo sich plötzlich ein drastisches Kontrastbild bietet. Mit geringem Höhenverlust werden die kargen Böden und Karrenfelder in nordwestlicher Richtung überquert, stets die Meilerhütte am Dreitorspitzgatterl im Visier. Bei schlechter Sicht ist peinlich genau auf die Markierung zu achten. Zum Schluss in einigen Kehren über einen Steilhang zur Meilerhütte (2366 m) hinauf, deren Standort in der Scharte am Grenzkamm einzigartig ist.

Huettentour Wettersteingebirge

Wanderkarte: Hüttenwanderung durch das Wettersteingebirge

Meilerhütte – Kreuzeck

Auf sehr aussichtsreichem Weg steigen wir über die Wiese des Frauenalpls und einen etwas steileren Rücken in 1 Std. zum Schachen (1866 m) ab, wo man die botanischen Kostbarkeiten im Alpenpflanzengarten ebenso bewundern kann wie die prunkvolle Ausstattung des königlichen Jagdschlosses. Zudem steht hier eine Einkehrstation mit Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung, weshalb sich der Schachen als eines der beliebtesten Wanderziele im Wetterstein etabliert hat.

Von diesem Punkt bieten sich prinzipiell mehrere Varianten für den Ausklang der Tour an. Auf dem vorgeschlagenen Weg zurück zum Kreuzeck steht erst einmal ein kräftiges Bergab auf dem Programm, natürlich nicht ohne vorher vom Pavillon aus den überwältigenden Blick ins Reintal genossen zu haben. Wie ein aufgeschlagenes Buch liegt die riesige Gebirgsfalte vor uns. Anschließend serpentinenreich ins Oberreintal hinab, dort rechts und nochmals über eine hohe, bewaldete Stufe in den Grund des Reintals.

Während man rechts talauswärts nach Partenkirchen marschieren könnte, wenden wir uns links zur nahen Bockhütte (1052 m) und steigen von dort nordwärts am Bernadeinweg in steilem Waldgelände nochmals bergauf. Um den Ausläufer der Stuibenwand herum zieht sich der Weg quer durch den Einschnitt des Gassentals und weiter ohne größere Höhenunterschiede an der Bernadeinhütte vorbei Richtung Kreuzeck, wo sich der Kreis schließt.