Auf der großen Karwendel-Transversale

  • Region: AUT - Karwendel
  • Dauer: 4 Tage
  • Höhenmeter: 2200 Hm

Von Scharnitz bis zum Achensee, einmal quer von West nach Ost durchs Karwendel, das ist ein echter Dauerbrenner unter den leichteren Hüttentrekkings. Dass man eine solch beeindruckende, in weiten Bereichen ausgesprochen raue Gebirgsgruppe frei von besonderen bergsteigerischen Hürden gleichsam erschwernislos durchqueren kann, würde man ohne Kenntnis der topografischen Gegebenheiten wohl kaum vermuten. Doch das Karwendel offenbart mitten hindurch eine Art Gasse, die über wenig anspruchsvolle Wiesensättel die drei Hütten auf der Nordseite der Hinterautal-Vomper-Kette – schlicht auch Karwendel-Hauptkamm genannt – in problemloser Weise verbindet. Da bummelt es sich vergnüglich auf fast parkähnlichen Wegen dahin, ohne dass die imposante Kulisse jedoch fehlen würde. Im Gegenteil: Die Nähe zum Karwendel-Hauptkamm sorgt ständig für packende Bilder, von denen die 800 Meter hohen Laliderer Wände oberhalb der Falkenhütte zweifellos ein Highlight darstellen.

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Tag 1+2

Die Auftaktetappe führt durch eines der typischsten Karwendeltäler, das sinnigerweise auch exakt so heißt.
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Tag 3+4

Ein eindrucksvolles Felsantlitz bieten die Grubenkar- und Spritzkarspitze beim Übergang in die Eng, nur rücken sie im Vergleich zu den Laliderer Wänden wieder mehr auf Distanz.
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Eckdaten zur Karwendel-Transversale
Hütten Larchetalm (1173 m), Karwendelhaus (1771 m), Falkenhütte (1848 m), Lamsenjochhütte (1953 m)
Talort / Ausgangspunkt Scharnitz (964 m) im Isartal, Parkplatz am Eingang in die Karwendeltäler; Bahnverbindung München – Innsbruck
Endpunkt Pertisau (952 m) am Achensee; Bus von Jenbach im Inntal
Gehzeiten Scharnitz – Karwendelhaus 4 1/2 Std. – Falken- hütte 2 3/4 Std. – Lamsenjochhütte 4 1/2 Std. – Pertisau 3 1/2 Std.
Anforderungen Die gesamte Tour verläuft auf leicht begehbaren Alm- und Bergwegen ohne ausgesetzte Passagen. Die Höhenunterschiede sind moderat, die Gehstrecke insgesamt ist aber durchaus beachtlich (lange Talabschnitte am Anfang und Ende). Abgesehen von etwas Ausdauer sind keine besonderen Fähigkeiten notwendig, die Tour eignet sich somit auch bestens für Gebirgsunerfahrene.
Karte Alpenvereinskarte, 1: 25 000, Blätter 5/1, 5/2 und 5/3 »Karwendelgebirge West, Mitte und Ost«; Bayerisches Landesvermessungsamt, 1: 50 000, Blatt UK L30 »Karwendelgebirge«
Buchtipp Huettentreks AlpenMark Zahel: Hüttentreks
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Tag: 1+2: Von Scharnitz zum Achensee

Karwendel Transversale

Die Falkenhütte steht unmittelbar vor den imposanten Laliderer Wänden.

Scharnitz – Karwendelhaus

Die Auftaktetappe führt durch eines der typischsten Karwendeltäler, das sinnigerweise auch exakt so heißt. Es zieht sich von Scharnitz aus seine vier bis fünf Gehstunden lang, zur Linken stets flankiert von den hohen Schrofenflanken der Nördlichen Karwendelkette, zur Rechten von dem stärker in Hochkare gegliederten Hauptkamm um Pleisen-, Seekar- und Ödkarspitzen. Die landschaftlichen Reize des Karwendeltals mit seinem rauschenden Wildbach, den grünen Almböden und der wilden Felskulisse stehen außer Zweifel, dennoch kann einem der ewige Hatscher entlang dem Fahrweg doch etwas eintönig werden, weil der Höhengewinn hier eben lange auf sich warten lässt. Nur nicht verzagen, wenn die Biker locker an einem vorbeiziehen, sondern lieber die Augen auf die großen und kleinen Sehenswürdigkeiten lenken! Hinter den Parkplätzen in Scharnitz überschreiten wir die junge Isar und steigen zur Pürzlkapelle (1120 m) an. Weiter ins Karwendeltal hinein, das man nun in seiner ganzen, beachtlichen Länge durchwandert. Kaum merklich ansteigend werden Larchetalm und Angeralm passiert, ehe es ganz zum Schluss deutlich steiler zum Karwendelhaus (1771 m) hinaufgeht.

Karwendel Transversale

Am Weg zur Falkenhütte

Karwendelhaus – Falkenhütte

Der nahe, wiesengrüne Hochalmsattel (1803 m) bildet den Übergang zum Kleinen Ahornboden, einem besonderen Kleinod des Karwendels. Dorthin steigen wir entweder durch die Geländekerbe des Unterfilztals oder etwas weiter, aber aussichtsreicher über den breiten Ziehweg rechts davon ab. Am idyllischen Kleinen Ahornboden mit seinen uralten, knorrigen Ahornbeständen vor den Felsfluchten der Kaltwasserkar- und Birkkarspitze erinnert ein Denkmal an Hermann von Barth, den großen Karwendelerschließer. Kurz darauf rechts über eine Brücke weiter (der Hauptweg führt ins Johannestal), quer über einen Schuttstrom und durch den Sauisswald allmählich wieder bergauf.

Bald gelangt man in freies Gelände, wo der Weg im Angesicht imposanter Nordwände an der Ladizalm (1573m) vorbei zur Falkenhütte (1848 m) hinaufzieht. Direkt unter dem Abbruch der Laliderer Wände, einem der großen Schaustücke des Karwendels, bleibt dem Wanderer nichts als ehrfürchtiges Staunen.

Tag 3+4: Mit etwas Klettererfahrung zur Lamsenjochhütte

Karwendel Transversale

Frühsommerliche Impressionen beim Übergang in die Eng; im Hintergrund die Grubenkarspitze

Falkenhütte – Lamsenjochhütte

Ein eindrucksvolles Felsantlitz bieten auch Grubenkar- und Spritzkarspitze beim folgenden Übergang in die Eng, nur rücken sie im Vergleich zu den Laliderer Wänden wieder mehr auf Distanz. Nachdem wir vom Spielissjoch (1773 m) die Laliderer Reisen hinüber zum Hohljoch (1794 m) gequert haben, steigen wir auf dem unteren Weg über licht bewaldete Wiesenhänge zu den Engalmen (1227 m) am Großen Ahornboden ab, wo wir meist das quirlig lebhafte Intermezzo dieser Tour erdulden müssen. Ohne den frequentierten Alpengasthof zu berühren, drehen wir gleich vorn nach rechts ab und folgen dem Fahrweg hinauf zum Binsalm-Niederleger (1503 m), einer feinen Jausenstation. Die Fortsetzung hält sich bald wieder an einen Fußweg, der durch eine Hangmulde ohne Schwierigkeiten das Westliche Lamsenjoch (1940m) erreicht. Eine Querung steilerer Hänge führt schließlich zur Lamsenjochhütte (1953 m) hinüber, überragt vom gewaltigen Eckzahn der Lamsenspitze. Wer sich an diesem Objekt versuchen möchte, sollte in jedem Fall etwas Klettererfahrung mitbringen.

Lamsenjochhütte – Pertisau

Karwendel Transversale

Wanderkarte Karwendel Transversale

Für die letzte Etappe steht nur noch ein Bergab auf dem Programm, das sich jedoch im Falzthurntal vollkommen karwendeltypisch abermals in die Länge zieht. Von der Lamsenjochhütte nordwärts in vielen Kehren über Schuttfelder in den Gramaier Grund hinab. Am Gramai-Niederleger (1263 m) befindet sich das Ende der Mautstraße von Pertisau; zu bestimmten Zeiten verkehren hier auch Bergsteigerbusse Richtung Tegernsee (Bahnhof).

Möchte man auf einen Transfer verzichten und das Falzthurntal zu Fuß entdecken, folgt man dem Wanderweg abseits der Straße, passiert die bewirtschaftete Falzthurnalm (1089 m) und wandert flach talauswärts bis nach Pertisau, wo man seine vielleicht ein wenig heiß gelaufenen Füße im sanften Wellenschlag des Achensees abkühlen kann.